Gesundheitswesen · Ratgeber

Impfstoffe in der Arztpraxis lagern: Kühlschrank, Temperatur und Nachweis.

Von Frigo · Stand: Oktober 2026

Impfstoffe sind empfindlich gegen Wärme, Licht und Frost. Dieser Ratgeber zeigt für Arztpraxen, Impfstellen und Heime, was die Gesundheitsbehörden zu Kühlschrank, Platzierung, Kontrolle und Dokumentation empfehlen und was bei einer Unterbrechung der Kühlkette zu tun ist. Wählen Sie Ihr Land, dann sehen Sie nur, was die Stellen dort sagen.

Kurz gesagt
  • Massgeblich: die Lagerbedingung in der Fachinformation des jeweiligen Impfstoffs. Für die meisten Impfstoffe in der Praxis ist das der Kühlschrankbereich von 2 bis 8 °C.
  • Frost vermeiden: Impfstoffe nicht in die Kühlschranktür und nicht an die Rück- oder Innenwand legen.
  • Kontrollieren und notieren: mit Min-Max-Thermometer oder Datenlogger, Ergebnisse dokumentieren.
  • Deutschland: Die STIKO empfiehlt einen separaten Kühlschrank, einen Zielwert von etwa 5 °C und eine Kontrolle mindestens einmal täglich, am besten morgens und abends.
  • Österreich: Der Impfplan empfiehlt Min-Max-Thermometer, regelmässige Kontrolle und Dokumentation der Temperatur.
  • Schweiz: Das BAG verlangt Transport, Lagerung und Verwendung nach Herstellerangaben. Kantone prüfen Kühlschrank und Temperaturnachweis bei Inspektionen.
  • Bei einer Abweichung: Impfstoffe beiseitelegen, nicht verwenden und mit Fachinformation, Hersteller oder Apotheke klären. Nicht allein nach Gefühl entscheiden.

Für wen dieser Ratgeber ist

  • Haus- und Kinderarztpraxen sowie Fachpraxen, die Impfstoffe vorrätig halten
  • Impfstellen, betriebsärztliche Dienste und Reisemedizin
  • Alters- und Pflegeheime, in denen Impfstoffe bis zur Anwendung gekühlt werden

Für Apotheken mit ihren eigenen Vorschriften gibt es den Ratgeber Medikamentenkühlschrank überwachen. Er behandelt die Apothekenbetriebsordnungen und kantonale Apothekeninspektionen, die hier nicht wiederholt werden.

Welche Temperatur gilt?

Die Lagerbedingung legt der Hersteller fest, sie steht in der Fachinformation und auf der Packung. Daran sollen Sie sich halten, das betonen alle drei Länder. Für die üblichen Impfstoffe in der Praxis ist das der Bereich von 2 bis 8 °C. Einzelne Impfstoffe haben abweichende Vorgaben. Diese stehen in der jeweiligen Fachinformation und sind nicht Thema dieses Ratgebers.

Gefährlich ist nicht nur Wärme. Laut den STIKO-Empfehlungen 2026 müssen Impfstoffe auch vor Frost geschützt werden. Zu warm gelagerte Impfstoffe können eingeschränkt oder gar nicht mehr wirksam sein, eingefrorene können unsteril oder schlechter verträglich werden. Besonders empfindlich sind laut STIKO Lebendimpfstoffe, bei ihnen muss die Kühlkette lückenlos sein.

Welcher Kühlschrank geeignet ist

Die Quellen sind sich in der Richtung einig, aber nicht im Detail:

QuelleAussage zum Gerät
STIKO (Deutschland)Spezialkühlschränke sind besonders geeignet. Haushaltskühlschränke ohne Eisfach können genutzt werden. Der Kühlschrank soll nur für Impfstoffe und andere Arzneimittel dienen.
KV Bayerns (Deutschland)Die Anforderungen an Medikamentenkühlschränke beschreibt die DIN 13277. Ein spezielles Gerät ist danach nicht vorgeschrieben. Keine Lebensmittel zusammen mit Arzneimitteln oder Impfstoffen.
Kanton Basel-Landschaft (Schweiz)Bei einer Neuanschaffung soll der Kühlschrank als Pharmakühlschrank qualifiziert sein und der DIN 13277 entsprechen. Sonst ist eine Qualifizierung nötig, also der dokumentierte Nachweis, an welchen Stellen 2 bis 8 °C eingehalten werden.
Impfplan (Österreich)Keine Vorgabe zum Gerätetyp. Empfohlen wird ein Min-Max-Thermometer, regelmässige Kontrolle und Dokumentation.

Ob die DIN 13277 für Ihre Praxis verbindlich ist, stellen die geprüften Quellen nicht einheitlich dar. Klären Sie das im Einzelfall mit Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung, Ihrer Ärztekammer oder dem Kantonsapothekeramt.

Wo die Impfstoffe im Kühlschrank liegen

  • Nicht in der Tür. Darauf weisen STIKO, KV Bayerns und der österreichische Impfplan hin. Die Temperatur in der Tür ist weniger konstant.
  • Nicht an der Rück- oder Innenwand. Die KV Bayerns nennt die Gefahr des Festfrierens, die STIKO schreibt, Impfstoffe sollen keinen Kontakt zur Innenwand haben.
  • In der Originalverpackung. Das empfehlen STIKO und BAG. Beide nennen auch den Schutz vor Licht.
  • Thermometer in die Mitte. So steht es bei der STIKO und der KV Bayerns.
  • Ältere Ware zuerst. Die STIKO nennt das Prinzip «first in, first out».

Kontrolle und Dokumentation

Alle drei Länder erwarten, dass die Temperatur gemessen und festgehalten wird. Wie oft, unterscheidet sich:

  • Deutschland: Die STIKO empfiehlt, die Lagertemperatur am besten morgens und abends, mindestens aber einmal täglich zu prüfen und die Ergebnisse täglich zu dokumentieren. Geeignet sind ein digitales Min-Max-Thermometer oder ein Datenlogger, nicht geeignet unter anderem Alkohol-, Quecksilber-, Bimetall- und Infrarotthermometer. Die KV Bayerns nennt eine regelmässige, werktägliche Kontrolle, zum Beispiel täglich morgens.
  • Österreich: Kühlschränke in Arztpraxen sollen mit Min-Max-Thermometern ausgerüstet, regelmässig kontrolliert und die Temperatur dokumentiert werden. Eine feste Frist nennt der Impfplan nicht.
  • Schweiz: Das BAG empfiehlt, Chargennummer und Haltbarkeit in ein Journal einzutragen. Das Merkblatt des Kantons Basel-Landschaft verlangt, Lagerung, Temperaturabweichungen und die ergriffenen Massnahmen zu dokumentieren, mit kalibrierten Thermometern oder Sonden. Eine feste Ablesefrist nennt es nicht.

Ein Min-Max-Thermometer zeigt, dass ein Wert überschritten wurde, aber nicht wann und wie lange. Für die Beurteilung einer Abweichung ist genau das oft die entscheidende Frage.

Wissen Sie, wie kalt Ihr Impfkühlschrank über das Wochenende war?

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Wenn die Kühlkette unterbrochen war

Ob ein Impfstoff nach einer Abweichung noch verwendet werden darf, hängt vom Produkt, der Temperatur und der Dauer ab. Das können Sie nicht allein am Thermometer entscheiden. Als Orientierung, nicht als Vorschrift:

  1. Beiseitelegen und kennzeichnen. Betroffene Impfstoffe nicht verwenden, bis die Frage geklärt ist, und weiter gekühlt lagern.
  2. Festhalten, was passiert ist. Beginn, Ende, höchste oder tiefste Temperatur und welche Chargen betroffen sind.
  3. Fachinformation lesen und nachfragen. Wenden Sie sich an den Hersteller oder Ihre Apotheke. Das BAG nennt für Produkte, die bei der Prüfung auffallen, den Kontakt mit Hersteller und Swissmedic.
  4. Entscheiden und dokumentieren. Die verantwortliche Ärztin oder der verantwortliche Arzt entscheidet auf dieser Grundlage. Halten Sie Entscheidung und Begründung fest.

Die Quellen formulieren unterschiedlich streng. Die STIKO schreibt, dass versehentlich falsch gelagerte oder eingefrorene Impfstoffe verworfen werden müssen. Das BAG verweist allgemein auf die Angaben der Hersteller. Wenn Sie unsicher sind, ob eine Abweichung als falsche Lagerung gilt, klären Sie das mit dem Hersteller, bevor Sie impfen.

In Deutschland weist die KV Bayerns darauf hin, dass ein Ersatz für Impfstoffe, die durch einen Ausfall der Kühlung unbrauchbar wurden, nicht erneut zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden kann. Sie empfiehlt eine Kühlschrankhaftpflichtversicherung. Fragen Sie bei Ihrer eigenen KV nach, wie es dort geregelt ist.

Stromausfall

Wie lange ein Kühlschrank ohne Strom im Bereich bleibt, hängt vom Gerät ab. Eine allgemeine Zahl nennen die geprüften Quellen nicht. Die KV Bayerns zählt eine akustische und optische Warnung bei Temperaturabweichung und Stromausfall zu den Merkmalen eines Medikamentenkühlschranks nach DIN 13277. Diese Warnung hört allerdings nur, wer vor Ort ist.

Behandeln Sie einen Stromausfall wie jede andere Abweichung: Zeit notieren, nach der Rückkehr des Stroms die Werte prüfen und, wenn der Bereich verlassen wurde, wie oben beschrieben vorgehen. Legen Sie vorab fest, wer nachts und am Wochenende benachrichtigt wird und wohin die Impfstoffe bei einem längeren Ausfall gebracht werden können.

Deutschland: STIKO und Kassenärztliche Vereinigung

Was die Stellen sagen

  • STIKO beim RKI: Die Empfehlungen 2026 (Epidemiologisches Bulletin 4/2026, Kapitel Impfmanagement) beschreiben Lagerung, Zielwert, Platzierung, Kontrolle und Dokumentation wie oben. Es handelt sich um Empfehlungen.
  • KV Bayerns: Das Informationsblatt «Kühlgeräte für Arzneimittel» vom 25. Juli 2024 nennt Anforderungen an Medikamentenkühlschränke und Hinweise zu Lagerung und Kontrolle. Andere KVen können eigene Hinweise haben.
  • Fachinformation: Laut KV Bayerns sind kühlpflichtige Arzneimittel wie Impfstoffe entsprechend der Vorgaben in der jeweiligen Fachinformation aufzubewahren.

Österreich: Impfplan Österreich

Was die Stellen sagen

  • Impfplan Österreich 2026/2027: Auf die in der Fachinformation angegebene Temperatur für Transport und Lagerung ist unbedingt zu achten.
  • Transport: In Kühltaschen sollen gefrorene Kühlakkus nicht direkt an der Impfstoffverpackung anliegen, weil der Impfstoff sonst gefrieren kann.
  • Praxis: Min-Max-Thermometer, regelmässige Kontrolle, Dokumentation der Temperatur und Lagerung an einer Stelle mit konstanter Temperatur, nicht in der Tür und nicht an der Wand anliegend.

Der Impfplan ist eine Empfehlung des Gesundheitsministeriums. Fragen zu verbindlichen Vorgaben klären Sie mit Ihrer Ärztekammer oder der zuständigen Behörde.

Schweiz: BAG und Kantone

Was die Stellen sagen

  • BAG: Laut den «Allgemeinen Empfehlungen zu Impfungen» sind alle Produkte nach den Angaben der Hersteller zu transportieren, zu lagern und zu verwenden. Neue Sendungen sind umgehend kühl zu lagern. Das Dokument stammt von 2003 und wird laut BAG überarbeitet.
  • Kantone: Die Kantone kontrollieren die Lagerung von Arzneimitteln bei Inspektionen. Als Beispiel nennt das Merkblatt des Kantons Basel-Landschaft (Version 01, März 2024) Anforderungen an Qualifizierung, Kalibrierung und Dokumentation. Andere Kantone haben eigene Vorgaben.

Ob und wie Ihr Kanton diese Anforderungen auf Arztpraxen und Heime anwendet, klären Sie mit dem Kantonsapothekeramt.

Wo die Handkontrolle Lücken lässt

  • Nacht und Wochenende. Die Ablesung am Morgen sagt nicht, was dazwischen geschah.
  • Zu kalt. Ein falsch eingestelltes Thermostat oder Ware an der Rückwand fällt erst auf, wenn ein Impfstoff schon gefroren war.
  • Tür nicht ganz zu. Nach dem Einräumen einer Lieferung steigt die Temperatur, ohne dass es jemand merkt.
  • Kein Verlauf. Ohne Beginn und Dauer kann der Hersteller eine Abweichung kaum beurteilen.

Was ein Sensor ergänzt

Ein Sensor misst rund um die Uhr, meldet sich bei den von Ihnen bestimmten Personen per App und E-Mail, sobald die Temperatur Ihre obere oder untere Grenze verlässt, und schreibt jede Abweichung mit Beginn, Ende und Dauer in ein fortlaufendes, zeitgestempeltes Protokoll. Pro Sensor erstellt Frigo automatisch einen monatlichen PDF-Report. Wo sinnvoll, lässt sich zusätzlich ein Türkontakt nutzen. Sendet ein Sensor oder die Verbindungseinheit keine Daten mehr, meldet Frigo das an die benannten Personen.

Wichtig: Frigo misst die Luft am Ort des Sensors, nicht die Temperatur im Impfstoff. Es kühlt nichts und greift nicht in den Kühlschrank ein. Es unterstützt Kontrolle und Dokumentation, ist aber keine Kalibrierung oder Qualifizierung des Kühlschranks und ersetzt weder die Fachinformation noch die Beurteilung durch die verantwortliche Person oder den Hersteller.

Fällt der Strom aus, läuft die Verbindungseinheit mit ihrer eingebauten Batterie rund vier Stunden weiter. In dieser Zeit misst Frigo weiter und meldet, wenn die Temperatur Ihre Grenze verlässt, sofern das Mobilfunknetz verfügbar ist. Ist die Batterie leer, meldet Frigo, dass die Verbindungseinheit keine Daten mehr sendet. Die Sensoren speichern keine Messwerte, für diese Zeit fehlen deshalb Daten. Neue Messwerte kommen, sobald die Verbindungseinheit wieder Strom hat.

Wie das System aufgebaut ist, steht unter Wie funktioniert Frigo?.

Vier Dinge, die Sie je Gerät festlegen sollten

  1. den Sollbereich laut Fachinformation, meist 2 bis 8 °C
  2. die obere und untere Grenze, ab der ein Alarm kommt
  3. wer benachrichtigt wird, auch nachts, am Wochenende und in den Ferien
  4. wer eine Abweichung beurteilt, den Hersteller kontaktiert und dokumentiert

Häufige Fragen

Bei welcher Temperatur werden Impfstoffe gelagert?

Massgeblich ist die Fachinformation des jeweiligen Impfstoffs. Für die üblichen Impfstoffe in der Praxis ist das der Bereich von 2 bis 8 °C. Die STIKO empfiehlt, etwa 5 °C anzustreben, damit kleine Schwankungen nicht aus dem Bereich führen.

Darf ich einen Haushaltskühlschrank verwenden?

Die Quellen unterscheiden sich. Die STIKO hält Spezialkühlschränke für besonders geeignet, Haushaltskühlschränke ohne Eisfach für nutzbar. Die KV Bayerns verweist auf die DIN 13277, nach der ein spezielles Gerät nicht vorgeschrieben ist. Der Kanton Basel-Landschaft verlangt bei Neuanschaffungen einen qualifizierten Pharmakühlschrank nach DIN 13277. Klären Sie das mit Ihrer zuständigen Stelle.

Wo gehören Impfstoffe in den Kühlschrank?

Nicht in die Tür und nicht an die Rück- oder Innenwand, weil dort die Temperatur schwankt oder die Ware anfrieren kann. Am besten in der Originalverpackung, mit dem Thermometer in der Mitte des Kühlschranks.

Wie oft muss ich die Temperatur kontrollieren?

In Deutschland empfiehlt die STIKO, am besten morgens und abends, mindestens aber einmal täglich zu prüfen und täglich zu dokumentieren. Der österreichische Impfplan spricht von regelmässiger Kontrolle und Dokumentation. In der Schweiz legen die Kantone die Anforderungen fest.

Was tue ich, wenn die Kühlkette unterbrochen war?

Betroffene Impfstoffe beiseitelegen, kennzeichnen und nicht verwenden. Beginn, Dauer und Temperatur festhalten und mit Fachinformation, Hersteller oder Apotheke klären, ob der Impfstoff noch verwendet werden darf. Die STIKO schreibt, dass falsch gelagerte oder eingefrorene Impfstoffe verworfen werden müssen.

Meldet Frigo auch bei einem Stromausfall?

Für eine begrenzte Zeit. Die Verbindungseinheit läuft mit eingebauter Batterie rund vier Stunden weiter und meldet in dieser Zeit, wenn die Temperatur Ihre Grenze verlässt, sofern das Mobilfunknetz verfügbar ist. Ist die Batterie leer, meldet Frigo, dass die Verbindungseinheit keine Daten mehr sendet. Die Sensoren speichern keine Messwerte, für diese Zeit fehlen deshalb Daten. Neue Messwerte kommen, sobald die Verbindungseinheit wieder Strom hat.

Quellen

Ihren Impfkühlschrank im Blick

Sehen Sie eine Abweichung, auch nachts und am Wochenende, und haben Sie den Verlauf für die Klärung mit dem Hersteller.

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